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Firmenwert und Verkaufserlös: Welches Kapital kommt tatsächlich an?

Der Wert des operativen Geschäfts, der Preis Ihrer Anteile und das Geld auf Ihrem Konto sind verschiedene Grössen. Eine Erlösbrücke macht sichtbar, wie Finanzschulden, überschüssige Liquidität, Zahlungsaufschub und Kosten den sofortigen Mittelzufluss verändern.

Von JB Schmid Consulting3 Min. Lesezeit
Verkaufserlös und neuer Handlungsspielraum
KI-generierte Illustration

Das Wesentliche

  • Unternehmenswert und Anteilspreis auseinanderhalten.
  • Sofortige, spätere und bedingte Zahlungen getrennt ausweisen.
  • Wiederanlage nur mit tatsächlich verfügbarem Kapital planen.

Zuerst vom Geschäfts- zum Anteilswert

Der Enterprise Value beschreibt hier den Wert des operativen Geschäfts unabhängig von seiner Finanzierung. Vereinfacht entsteht der Equity Value, indem die vereinbarten Finanzschulden abgezogen und überschüssige, tatsächlich übertragbare Liquidität hinzugerechnet werden. Bei weiteren Ansprüchen oder nicht operativen Vermögenswerten kann die Überleitung zusätzliche Positionen brauchen.

Nicht jeder Franken auf einem Geschäftskonto ist überschüssig. Das Unternehmen benötigt Liquidität für seinen Betrieb. Welche Positionen als schuldenähnlich oder liquiditätsähnlich gelten und welches normale Nettoumlaufvermögen übergeben wird, müssen Käufer und Verkäufer definieren.

Quelle: Wall Street Prep · Equity Value

CHF 4 Mio. Geschäfts­wert sind nicht CHF 4 Mio. auf dem Konto

Das illustrative Beispiel zeigt einen Verkauf von 100 Prozent der Anteile: CHF 4’000’000 operativer Wert minus CHF 900’000 vereinbarte Finanzschulden plus CHF 200’000 überschüssige Liquidität ergeben CHF 3’300’000 rechnerischen Anteilswert. Eine zusätzliche Kaufpreisanpassung für das Umlaufvermögen wird hier nicht angenommen.

Davon sind CHF 400’000 als Verkäuferdarlehen vorgesehen und bis zu CHF 500’000 an künftige Erfolge geknüpft. Bei Abschluss verbleiben CHF 2’400’000 vor Kosten und Steuern. Nach beispielhaften Transaktionskosten von CHF 100’000 sind CHF 2’300’000 sofort verfügbar, weiterhin vor persönlichen Verkaufssteuern. Ein Erlös von CHF 2’300’000 nach Steuern wird damit ausdrücklich nicht behauptet.

ILLUSTRATIVES RECHENBEISPIEL

Beispielannahmen, keine Marktwerte oder Kundentransaktionen.

01 · Rechnerischer AnteilswertCHF 3'300'000
02 · Bei Abschluss · vor Kosten und SteuernCHF 2'400'000
03 · Verfügbar · nach Kosten, vor VerkaufssteuernCHF 2'300'000

100 % der Anteile. Keine zusätzliche Working-Capital-Anpassung. Das Steuerbudget ist noch offen.

Zahlungsbedingungen gehören in die Preisverhandlung

Zwei Angebote mit demselben nominalen Gesamtbetrag können wirtschaftlich sehr unterschiedlich sein. Ein heute gezahlter Betrag ist bereits verfügbar. Ein Darlehen wird später fällig und unterliegt einem Ausfallrisiko. Ein Earn-out hängt zusätzlich vom Eintritt festgelegter Bedingungen ab.

Stellen Sie deshalb jedes Angebot in derselben Struktur gegenüber: Mittel bei Abschluss, später fällige feste Beträge, bedingte Beträge, Sicherheiten, Kosten und steuerlich noch offene Punkte. So wird erkennbar, welcher Teil des angebotenen Preises bereits Ihre nächste Entscheidung tragen kann.

Quelle: UBS · Verkaufsverhandlungen erfolgreich abschliessen

Den nächsten Kapitaleinsatz vom tatsächlichen Zufluss aus planen

Die Planung beginnt mit einer Liquiditätsreserve und den persönlichen Verpflichtungen nach der Übergabe. Erst danach lässt sich prüfen, welches Kapital langfristig investiert werden kann. Ein noch nicht bezahlter Earn-out sollte keine bereits eingegangene Verpflichtung finanzieren müssen.

Im Rechner können Sie den verfügbaren Betrag zwischen Reserve und Wiederanlage aufteilen und eine Anlage ohne Kredit mit einem Immobilienfinanzierungsszenario vergleichen. Rendite, Zins, Kosten und Steuerbudgets bleiben Annahmen. Ob ein Share Deal oder Asset Deal vorliegt und welche Steuern anfallen, ist separat mit qualifizierten Fachpersonen zu klären.

  • Wie viel Kapital muss bei Abschluss sicher verfügbar sein?
  • Welche Zahlungsausfälle oder Verzögerungen wären tragbar?
  • Welche Bindung an das Unternehmen bleibt nach der Übergabe?

Häufige Fragen

Wird die Verschuldung nach dem Anteilspreis nochmals abgezogen?

Wenn sie bereits in der Überleitung vom Enterprise Value zum Equity Value berücksichtigt wurde, darf dieselbe Position nicht ein zweites Mal den Erlös mindern. Entscheidend sind die vereinbarten Definitionen.

Ist ein privater Firmenverkauf immer steuerfrei?

Eine pauschale Aussage ist nicht möglich. Beteiligungsstruktur, Ansässigkeit, Transaktionsform und besondere Umstände müssen vor Vertragsabschluss fachlich geprüft werden.

Quellen & weiterführende Informationen

  1. Wall Street Prep · Equity Value
  2. UBS · Verkaufsverhandlungen erfolgreich abschliessen

Allgemeine Orientierung. Beispiele und Annahmen ersetzen keine Prüfung Ihres Unternehmens oder individuelle Rechts-, Steuer- und Anlageberatung.

Joel Schmid
Ihr GesprächspartnerJoel Schmid

Joel Schmid verbindet Erfahrung im Banking mit der Perspektive eines Unternehmers und Immobilieninvestors. Sein Schwerpunkt: Unternehmensverkauf, Verhandlung und der nächste Kapitaleinsatz.

JB SCHMID CONSULTING

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