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Unternehmenswert berechnen: EBITDA verstehen, Annahmen prüfen

Ein EBITDA-Multiplikator liefert einen ersten Wert des operativen Geschäfts. Entscheidend sind die nachhaltig übertragbaren Erträge und die Begründung des Faktors. Der daraus abgeleitete Unternehmenswert ist weder der Anteilspreis noch Ihr verfügbarer Verkaufserlös.

Von JB Schmid Consulting3 Min. Lesezeit

Das Wesentliche

  • Ertragskraft zuerst bereinigen, dann bewerten.
  • Ein Multiplikator ist eine Annahme mit Begründungsbedarf.
  • Schulden, Liquidität und Zahlungsbedingungen separat betrachten.

Welche Ertragskraft übernimmt ein Käufer?

EBITDA bezeichnet das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf materielle und immaterielle Vermögenswerte. Die Kennzahl erleichtert den Blick auf das operative Ergebnis. Sie zeigt jedoch nicht, wie viel Geld nach Investitionen, Veränderungen des Umlaufvermögens, Steuern und Schuldendienst frei verfügbar bleibt.

Vor einer Bewertung lohnt sich deshalb eine Überleitung vom ausgewiesenen zum nachhaltig erzielbaren Ergebnis. Ein einmaliger Aufwand kann eine begründete Korrektur rechtfertigen. Ein jährlich wiederkehrender Aufwand wird durch eine andere Bezeichnung nicht einmalig. Auch ein deutlich unter dem Markt liegender Inhaberlohn verlangt eine Korrektur: Eine geeignete Nachfolgeperson arbeitet nicht kostenlos.

  • Welche Korrektur lässt sich mit Belegen erklären?
  • Welche Kosten entstehen nach der Übergabe neu?
  • Wie verändern Kundenkonzentration und Inhaberabhängigkeit die Übertragbarkeit?

Warum es keinen passenden Faktor für jedes KMU gibt

Beim Multiplikatorverfahren wird eine geeignete Ergebnisgrösse mit einem aus Vergleichstransaktionen oder Marktbeobachtungen abgeleiteten Faktor verbunden. Vergleichbarkeit erfordert mehr als dieselbe Branche: Grösse, Margen, Wachstum, wiederkehrende Erlöse und Risikoprofil müssen eingeordnet werden.

Für ein belastbares Gespräch sollten Sie mindestens ein vorsichtiges, ein mittleres und ein höheres Szenario formulieren. Das ist keine statistische Wahrscheinlichkeit. Es zeigt, welche Annahmen den Wert treiben und wo eine vertiefte Prüfung besonders viel bringt.

Quelle: SECO · Multiplikatorverfahren

Ein Beispiel: dieselben Bücher, unterschiedliche Annahmen

Unser frei gewähltes Rechenbeispiel beginnt mit CHF 600’000 ausgewiesenem EBITDA. CHF 80’000 belegbarer einmaliger Aufwand werden hinzugerechnet; CHF 50’000 zusätzlicher marktgerechter Managementaufwand werden abgezogen. Das bereinigte EBITDA beträgt damit CHF 630’000.

Bei angenommenen Faktoren von 4, 5 und 6 entstehen operative Werte von CHF 2’520’000, CHF 3’150’000 und CHF 3’780’000. Diese Faktoren sind ausschliesslich Illustrationen, keine aktuellen Schweizer Branchenmultiplikatoren. Schon eine Korrektur des nachhaltigen Ergebnisses um CHF 50’000 verändert den Wert bei Faktor 5 um CHF 250’000.

  • Bereinigung und Faktor getrennt dokumentieren.
  • Keine Einmalkorrektur ohne nachvollziehbaren Sachverhalt.
  • Den Faktor nicht so wählen, dass er einen Wunschpreis bestätigt.
ILLUSTRATIVES RECHENBEISPIEL

Beispielannahmen, keine Marktwerte oder Kundentransaktionen.

Bereinigtes EBITDACHF 630'000
Angenommener Faktor 4×CHF 2'520'000
Angenommener Faktor 5×CHF 3'150'000
Angenommener Faktor 6×CHF 3'780'000

Vom Rechenwert zum verhandelbaren Angebot

Eine Bewertung ist eine Entscheidungsgrundlage. Ein tatsächlich erzielbarer Preis hängt auch davon ab, wer kaufen kann, wie sich der Erwerb finanzieren lässt und welche Bedingungen akzeptiert werden. Ein DCF-Szenario kann die Perspektive um künftige freie Zahlungsströme erweitern; es ersetzt die Prüfung seiner Planungsannahmen nicht.

Für das Erstgespräch sind Jahresabschlüsse, aktuelle Zahlen, Inhaberbezüge, Finanzschulden und eine Liste der wesentlichen Abhängigkeiten hilfreich. Im Rechner können Sie anschliessend sehen, wie sich Wert, verkaufter Anteil und Zahlungsstruktur auf Ihr Kapital bei Abschluss auswirken.

Quelle: UBS · 5 Mythen rund um die Unternehmensbewertung

Häufige Fragen

Ist das Ergebnis eine verbindliche Unternehmensbewertung?

Nein. Der Rechner stellt Ihre Annahmen rechnerisch dar. Eine belastbare Bewertung benötigt eine Prüfung von Unternehmen, Finanzzahlen, Vergleichbarkeit und Transaktionsbedingungen.

Kann ich EBITDA direkt als freien Cashflow verwenden?

Nein. Unter anderem Investitionen, Steuern und Veränderungen des Umlaufvermögens können den verfügbaren Cashflow deutlich verändern.

Quellen & weiterführende Informationen

  1. SECO · Multiplikatorverfahren
  2. UBS · 5 Mythen rund um die Unternehmensbewertung

Allgemeine Orientierung. Beispiele und Annahmen ersetzen keine Prüfung Ihres Unternehmens oder individuelle Rechts-, Steuer- und Anlageberatung.

Joel Schmid
Ihr GesprächspartnerJoel Schmid

Joel Schmid verbindet Erfahrung im Banking mit der Perspektive eines Unternehmers und Immobilieninvestors. Sein Schwerpunkt: Unternehmensverkauf, Verhandlung und der nächste Kapitaleinsatz.

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