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Euro-Umsatz, Franken-Kosten: Hält Ihr Schweizer Standort den Wechselkurstest aus?

Ein Schweizer Standort muss nicht den Franken schlagen, sondern seine offene Währungsposition kennen.

Von JB Schmid Consulting4 Min. Lesezeit

Das Wesentliche

  • Der Franken ist kein Automatismus; die SNB verweist auf Zinsdifferenzen, Unsicherheit und geldpolitischen Handlungsspielraum.
  • Entscheidend ist nicht der Gesamtumsatz, sondern der Netto-Rest nach Verrechnung von Euro-Erlösen und Franken-Kosten.
  • Drei hypothetische Kurse mit unveränderten Mengen zeigen die Logik; sie ersetzen keine Prognose und keine pauschale Absicherung.

1. Warum der Währungstest vor der Standortdebatte kommt

Die nützliche Frage lautet nicht, ob ein Schweizer Standort gut oder schlecht ist. Die eigentliche Frage lautet, wie gross die offene Währungsposition ist. Wer Euro-Umsatz, Franken-Kosten und andere Fremdwährungsströme in einen Topf wirft, sieht die Lage schnell zu gross oder zu klein. Ein sauberer Test beginnt mit der Verrechnung: Welche Ströme heben sich auf, und welcher Rest bleibt offen ?

Der geldpolitische Rahmen zählt, aber nur als Kontext. Am 24. September 2026 hat die SNB den SNB-Leitzins bei 0 % belassen, die Wechselkursentwicklung als Unsicherheitsfaktor genannt und erklärt, sie sei bei Bedarf bereit, am Devisenmarkt aktiv zu sein. Das ist wichtig für das Umfeld, ersetzt aber keine Standortrechnung.

  • Die erste Frage ist nicht, ob ein Schweizer Standort stark oder schwach ist, sondern wie gross die wirklich offene Währungsposition ist.
  • Wenn Euro-Umsatz, Franken-Kosten und andere Fremdwährungsströme vermischt werden, wird die Sicht schnell unklar.
  • Der saubere Test beginnt mit der Verrechnung: Was gleicht sich aus, was bleibt offen ?
Quelle: SNB: Geldpolitische Lagebeurteilung vom 24. September 2026

2. Was den Franken bewegt

Auf ihrer Erklärseite hält die SNB fest, dass der Franken in den letzten 15 Jahren zwar an Wert gewonnen hat, diese Entwicklung aber vor allem mit tiefen Zinsen und mit Phasen globaler Unsicherheit zusammenhing. Es gibt also keine automatische Regel nach dem Muster: der Franken steigt immer. Es gibt einen Markt, der auf Zinsdifferenzen und auf Sicherheitsphasen reagiert.

Für Unternehmer ist genau das der entscheidende Punkt. Eine Standortposition wird nicht über eine Kursmeinung entschieden, sondern über eine klare Kartierung der Zahlungsströme. Wenn bekannt ist, welche Erlöse und welche Kosten in welcher Währung anfallen, bleibt die gleiche Rechnung brauchbar, auch wenn sich der Markt nicht wie erwartet bewegt.

  • Die SNB beschreibt den Franken nicht als Einbahnstrasse, sondern als Währung, die auf Zinsdifferenzen und Risikoaversion reagiert.
  • Ihre Erklärung der letzten 15 Jahre verweist vor allem auf tiefe Zinsen und Phasen globaler Unsicherheit.
  • Für Unternehmen heisst das: Exponierung messen statt eine Richtung erraten.
Quelle: SNB: Was bestimmt den Frankenkurs?

3. Die eigentliche Rechenfrage: Erlöse gegen Kosten

Die Rechenfrage ist einfach. Formel: Netto-Cashflow in CHF = EUR-Umsatz × Kurs − CHF-Kosten. Nicht alles, was auf der Umsatzseite in Euro anfällt, ist automatisch offen. Und nicht jeder Frankenaufwand ist die Gegenposition zum Eurogeschäft. Darum sollten nur echte Gegenpositionen zusammengeführt und der Rest separat ausgewiesen werden.

Wichtig ist, die Mengen konstant zu halten. Wer den Kurs testet, darf nicht gleichzeitig Mengen, Preise oder Kostenstruktur verändern. Sonst misst man kein Währungsrisiko mehr, sondern eine Mischung aus Wachstum, Marge und Wechselkurs.

  • Einfache Formel: Netto-Cashflow in CHF = EUR-Umsatz × Kurs − CHF-Kosten.
  • Nur echte Gegenpositionen zusammenführen; den Rest separat ausweisen.
  • Mengen konstant halten, wenn der Wechselkurs und nicht Wachstum oder Marge getestet werden soll.

4. Drei hypothetische Kurse, gleiche Mengen

Nehmen wir ein bewusst einfaches und ausdrücklich hypothetisches Beispiel: 1 Mio. EUR Umsatz, 800’000 CHF Kosten, unveränderte Mengen. Bei 1.05 CHF/EUR ergeben sich 1’050’000 CHF Umsatz; nach Abzug der Kosten bleiben 250’000 CHF. Bei 1.00 CHF/EUR bleiben 200’000 CHF. Bei 0.95 CHF/EUR bleiben 150’000 CHF.

Die Aussage ist nicht, dass einer dieser Kurse eintreten wird. Die Aussage ist mechanischer: Je tiefer der Kurs, desto kleiner der offene Rest. Das ist nützlich, weil die Geschäftsleitung dann nicht über den Franken als Schlagwort spricht, sondern über eine Zahl.

Wenn ein Teil der Kosten bereits in Euro anfällt oder ein Teil der Erlöse in Franken fakturiert wird, verschiebt sich der Rest. Gerade deshalb beginnt eine ernsthafte Analyse mit einer sauberen Aufstellung der Zahlungsströme und nicht mit einer Meinung zur Absicherung.

  • Bewusst einfaches und ausdrücklich hypothetisches Beispiel: 1 Mio. EUR Umsatz, 800’000 CHF Kosten, unveränderte Mengen.
  • Bei 1.05 CHF/EUR bleiben nach 1’050’000 CHF Umsatz und 800’000 CHF Kosten 250’000 CHF übrig.
  • Bei 1.00 CHF/EUR sind es 200’000 CHF; bei 0.95 CHF/EUR sind es 150’000 CHF.
EIGENE DARSTELLUNG

Verbleibender CHF-Betrag bei drei Kursen

1.05 CHF/EUR

CHF 250'000

1.00 CHF/EUR

CHF 200'000

0.95 CHF/EUR

CHF 150'000

Eigene Annahme für ein Geschäftsjahr: 1 Mio. EUR Umsatz, 800’000 CHF Kosten, Mengen unverändert. Formel: Netto-Cashflow in CHF = EUR-Umsatz × Kurs − CHF-Kosten. Dargestellt sind 1.05, 1.00 und 0.95 CHF/EUR.

EIGENE DARSTELLUNG

Vom Umsatz zum Netto-Rest

Umgerechneter Umsatz

CHF 1'050'000

CHF-Kosten

CHF 800'000

Rest

CHF 250'000

Mechanische Lesart des gleichen Beispiels: Bei 1.05 CHF/EUR werden 1 Mio. EUR zu 1’050’000 CHF; nach 800’000 CHF Kosten bleiben 250’000 CHF. Die Mengen bleiben konstant.

5. Was die Rechnung noch nicht sagt

Diese Rechnung beantwortet noch nicht die nächste Frage: absichern oder nicht, und wenn ja, wie viel und wann. Das ist eine separate Entscheidung. Sie hängt von Liquidität, Vertragslaufzeiten, Preisfestsetzung, Bilanzstruktur und Risikobereitschaft ab. Der Währungstest liefert nur die Ausgangszahl.

Sein Nutzen liegt in der Disziplin. Wenn der offene Rest bekannt ist, kann mit Verwaltungsrat, Finanzierung oder Preisgestaltung sachlich gesprochen werden. Wenn er unbekannt ist, werden Gefühl und Exponierung leicht verwechselt. Genau dort beginnt meist die falsche Standortdebatte.

  • Die Rechnung sagt noch nicht, ob, wie viel oder wann abgesichert werden soll.
  • Die Entscheidung hängt von Liquidität, Vertragslaufzeiten, Preisfestsetzung, Bilanzstruktur und Risikobereitschaft ab.
  • Der Nutzen des Tests ist ein klarer Ausgangswert, nicht ein versprochener Standortvorteil.

Häufige Fragen

Warum genügt ein einfacher Umsatzvergleich in Euro nicht?

Weil erst nach der Verrechnung mit CHF-Kosten sichtbar wird, was als Rest übrig bleibt.

Ist das eine Empfehlung zur Absicherung?

Nein. Der Beitrag liefert nur die Rechenbasis; die Absicherungsfrage bleibt eine getrennte Entscheidung.

Quellen & weiterführende Informationen

  1. SNB: Geldpolitische Lagebeurteilung vom 24. September 2026
  2. SNB: Was bestimmt den Frankenkurs?

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Joel Schmid verbindet Erfahrung im Banking mit der Perspektive eines Unternehmers und Immobilieninvestors. Sein Schwerpunkt: Unternehmensverkauf, Verhandlung und der nächste Kapitaleinsatz.

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