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Firmenverkauf: Wie viel Betriebskapital gehört zum Kaufpreis?

Gewinn ist nicht dasselbe wie Liquidität. Die Modelle zeigen, wie Betriebskapital und Vertragsmechanik den Verkaufspreis beeinflussen.

Von JB Schmid Consulting4 Min. Lesezeit

Das Wesentliche

  • EBITDA ist kein Kontostand. Offene Forderungen und Lagerbestände binden Kapital, auch wenn der Umsatz bereits verbucht ist.
  • Prüfen Sie das Betriebskapital über mehrere Monate. Saisonalität und Wachstum gehören in die Betrachtung.
  • Die Kaufpreisanpassung folgt der vereinbarten Vertragsmechanik. Freigesetzte Liquidität ist kein wiederkehrender Zusatzgewinn.

Den Betrieb hinter dem Ergebnis verstehen

Die HSLU schrieb am 18. September 2024, dass kotierte Schweizer Unternehmen trotz höherer Zinsen insgesamt solide finanziert seien. In der Mitteilung wird das verzinsliche Fremdkapital per Ende 2023 mit 256 Mrd. CHF angegeben, rund 4 % mehr als im Vorjahr.

Für das Working-Capital-Management nennt die HSLU: DWC stieg von 58 Tagen vor der Covid-Krise auf 65 Tage. Gleichzeitig sank DSO in zehn Jahren von 59 auf 51 Tage. Die Analyse umfasst 153 kotierte Unternehmen und ist deshalb kein KMU-Benchmark.

Das ist hier nur der fachliche Hintergrund. Für einen Firmenverkauf bleibt die eigentliche Frage eine andere: Wie viel Kapital braucht der Betrieb zwischen Leistung und Zahlungseingang, und was darf in der Transaktion als normales Betriebskapital gelten?

    Quelle: HSLU · IFZ Finanzierungs- und Treasurystudie: Medienmitteilung vom 18. September 2024

    15 zusätzliche Tage binden hier CHF 300’000

    Angenommen, ein Unternehmen erzielt CHF 7’200’000 Jahresumsatz, vollständig auf Rechnung. Wir verteilen ihn auf ein vereinfachtes 360-Tage-Jahr und lassen die Mehrwertsteuer weg. Bei durchschnittlich 45 Tagen bis zum Zahlungseingang stehen rechnerisch CHF 900’000 Kundenforderungen offen: CHF 7’200’000 ÷ 360 × 45. Bei 60 Tagen sind es CHF 1’200’000.

    Für dieses Modell definieren wir das operative Nettoumlaufvermögen als Kundenforderungen plus Warenbestand minus Lieferantenverbindlichkeiten. Der Bestand bleibt bei CHF 600’000, die Lieferantenverbindlichkeiten bei CHF 400’000. Damit steigt das gebundene Betriebskapital von CHF 1’100’000 auf CHF 1’400’000.

    Die zusätzlichen CHF 300’000 sind ein Finanzierungsbedarf beim Übergang zum höheren Forderungsbestand, kein jährlicher Verlust von CHF 300’000. Bei unverändertem Umsatz und unveränderten Kosten bleibt der operative Gewinn im Modell gleich. Wertberichtigungen, Finanzierungskosten und Zahlungsausfälle wären separat zu prüfen.

      EIGENE DARSTELLUNG

      Gebundenes Betriebskapital bei gleichem Jahresumsatz

      45 Tage Zahlungslaufzeit

      CHF 1'100'000

      60 Tage Zahlungslaufzeit

      CHF 1'400'000

      Eigene Modellrechnung, kein Marktdatensatz: Jahresumsatz CHF 7’200’000 ÷ 360 × 45 bzw. 60 Tage + CHF 600’000 Warenbestand − CHF 400’000 Lieferantenverbindlichkeiten. Gleichmässiger Umsatz auf Rechnung, ohne Mehrwertsteuer. Bilanzbestände, keine jährlichen Kosten.

      Was am Übergabetag vereinbart ist

      Davon getrennt folgt ein zweites Beispiel für eine ausdrücklich angenommene Vertragsregel: Käufer und Verkäufer legen ein Referenz-Betriebskapital von CHF 1’100’000 fest. Bei diesem Betrag beträgt der vorläufige Preis für die Anteile CHF 4’000’000. Abweichungen des anrechenbaren Betriebskapitals am Vollzugstag sollen den Preis im Beispiel Franken für Franken verändern. Alle anderen Preisbestandteile bleiben unverändert.

      Wird CHF 900’000 statt CHF 1’100’000 übergeben, ergibt sich CHF 4’000’000 + CHF 900’000 − CHF 1’100’000 = CHF 3’800’000. Bei CHF 1’300’000 sind es CHF 4’200’000. Das ist eine vereinfachte Modellklausel, keine Aussage über eine gesetzlich vorgeschriebene oder für jeden Verkauf passende Regel.

      Die höhere Forderungsposition aus dem ersten Beispiel wäre keinesfalls automatisch ein Mehrwert. Entscheidend ist unter anderem, ob sie einbringlich ist, nach denselben Bilanzierungsgrundsätzen bewertet wurde und nach dem Vertrag überhaupt angerechnet wird. Eine überfällige Forderung ist nicht dasselbe wie Geld auf dem Konto.

        EIGENE DARSTELLUNG

        Illustrativer Anteilspreis nach Betriebskapitalanpassung

        Übergebenes Betriebskapital CHF 900’000

        CHF 3'800'000

        Übergebenes Betriebskapital CHF 1’100’000

        CHF 4'000'000

        Übergebenes Betriebskapital CHF 1’300’000

        CHF 4'200'000

        Separates Vertragsbeispiel zum Vollzugstag: CHF 4’000’000 vorläufiger Anteilspreis + anrechenbares Betriebskapital − Referenz CHF 1’100’000. Andere Preisbestandteile unverändert. Vor Steuern und Transaktionskosten; keine Unternehmensbewertung oder allgemeingültige Vertragsregel.

        Vier Unterlagen verbessern die Verhandlungsbasis

        Ein sauberer Monatsverlauf ist aussagekräftiger als ein zufällig günstiger Bilanzstichtag. Vor dem Verkauf sollte sichtbar sein, welcher Kapitalbedarf zum normalen Geschäft gehört und welche Positionen einer Erklärung bedürfen. Wer die Finanzfragen früh ordnet, schafft Luft für Korrekturen statt für hektische Notmassnahmen.

        • Monatliche Kundenforderungen, Warenbestände und Lieferantenverbindlichkeiten, beispielsweise über die letzten 24 Monate, mit Erklärung saisonaler Spitzen.
        • Altersstruktur der Forderungen, Zahlungsausfälle und vereinbarte Kundenzahlungsziele.
        • Lagerliste mit Reichweite, Bewertungsansätzen und schwer verkäuflichen Beständen.
        • Eine abgestimmte Definition: Welche Positionen gehören zum Betriebskapital, welche zu Finanzschulden, Cash oder gesonderten Anpassungen? Doppelzählungen vermeiden.

        Eine belastbare Übergabe statt einer isolierten Preiszahl

        Preis, Zahlungsfluss und laufender Kapitalbedarf gehören zusammen. Eine bewusst niedrig gehaltene Lagerposition kann kurzfristig Liquidität schaffen und gleichzeitig die Lieferfähigkeit nach der Übergabe schwächen. Längere Lieferantenzahlungsziele sind nur dann tragfähig, wenn sie tatsächlich vereinbart und im Betrieb umsetzbar sind.

        Aus meiner Sicht lohnt es sich, eine geplante Transaktion früh zu ordnen, oft rund 3 Jahre im Voraus. Das ist keine allgemeine Regel, sondern ein praktischer Zeitrahmen, um Debitoren, Lager, Zahlungsziele und die Bilanzqualität systematisch zu verbessern.

        Besondere Aufmerksamkeit verdienen aus meiner Sicht überfällige Forderungen und schwer verkäufliche Bestände. Dort zeigt sich am schnellsten, ob das Betriebskapital normaler Betriebsbedarf ist oder ob Wertberichtigungen und Abzüge im Vertrag nötig werden. Eine isolierte Preiszahl sagt wenig, wenn die Übergabe nicht funktionsfähig ist.

          Häufige Fragen

          Ist Betriebskapital dasselbe wie Bankguthaben?

          Nein. Hier meint es Kundenforderungen und Warenbestand abzüglich Lieferantenverbindlichkeiten. Bankguthaben und Finanzschulden sind ausgeschlossen. Im konkreten Verkauf zählt die ausdrücklich vereinbarte Definition.

          Sind 45 oder 60 Tage empfohlene Zahlungsziele?

          Nein. Beide Werte sind frei gewählte Modellannahmen. Das 360-Tage-Jahr vereinfacht die Rechnung. Tatsächliche Laufzeiten sind anhand der Geschäftsdaten und der verwendeten Berechnungsmethode zu bestimmen.

          Quellen & weiterführende Informationen

          1. HSLU · IFZ Finanzierungs- und Treasurystudie: Medienmitteilung vom 18. September 2024

          Allgemeine Orientierung. Beispiele und Annahmen ersetzen keine Prüfung Ihres Unternehmens oder individuelle Rechts-, Steuer- und Anlageberatung.

          Mit KI vorbereitet und vor Veröffentlichung redaktionell freigegeben.

          Joel Schmid
          Ihr GesprächspartnerJoel Schmid

          Joel Schmid verbindet Erfahrung im Banking mit der Perspektive eines Unternehmers und Immobilieninvestors. Sein Schwerpunkt: Unternehmensverkauf, Verhandlung und der nächste Kapitaleinsatz.

          JB SCHMID CONSULTING

          Was bedeuten diese Zahlen für Sie?

          Prüfen Sie zunächst Ihr Szenario. Für die Einordnung Ihrer Ziele und der nächsten Schritte steht Joel Schmid als persönlicher Gesprächspartner zur Verfügung.