Alle EinblickeImmobilienfinanzierung

Kurzzeitvermietung: Mehr Umsatz heisst nicht mehr freier Ertrag

Kurzzeitvermietung erhöht den Umsatz nicht automatisch den freien Ertrag. Vor dem Kauf zählen Kosten, Tragbarkeit und lokale Regeln.

Von JB Schmid Consulting3 Min. Lesezeit
Bestehende Liegenschaft und neue Investitionsmöglichkeiten
KI-generierte Illustration

Das Wesentliche

  • Der Übernachtungspreis ist nur der Bruttoumsatz; entscheidend ist der freie Ertrag nach Kosten, Rückstellungen und Arbeitsaufwand.
  • Banken beurteilen die Tragbarkeit bei Renditeliegenschaften über einen nachhaltigen Cashflow; bei Kurzzeitvermietung wird das oft anspruchsvoller.
  • Bewilligungen und Nutzungsregeln sind lokal zu prüfen; eine einheitliche 90-Tage-Regel gibt es in der Schweiz nicht.

1. Umsatz ist nicht Ertrag

Bei Kurzzeitvermietung wirkt der Nachtpreis oft attraktiv. Entscheidend ist aber nicht der Umsatz, sondern was nach Plattformgebühren, Reinigung, Möblierung, Unterhalt, Leerstand und dem eigenen Arbeitsaufwand wirklich übrig bleibt. Wer diese Positionen nicht separat rechnet, überschätzt den freien Ertrag schnell.

Darum gehört vor dem Kauf eine eigene Jahresrechnung auf den Tisch. Sie sollte nicht mit einem Hoffnungsszenario arbeiten, sondern mit einer Belegung, die saisonale Schwankungen und Ausfälle mitdenkt. Erst dann sieht man, ob das Objekt aus sich selbst trägt oder ob der hohe Umsatz nur auf dem Papier steht.

    EIGENE DARSTELLUNG

    Monatliche Beispielrechnung

    Bruttoumsatz

    CHF 2'700

    Plattformgebühren

    CHF 405

    Reinigung

    CHF 240

    Möblierung und Unterhalt

    CHF 150

    Leerstand und Sonstiges

    CHF 200

    Annahmen: 150 CHF pro Nacht, 18 belegte Nächte pro Monat, 15 % Plattformgebühr, 4 Reinigungen zu 60 CHF, 150 CHF Rückstellung für Möblierung/Unterhalt, 200 CHF für Leerstand und Sonstiges. Jahreswerte sind mit 12 Monaten berechnet.

    EIGENE DARSTELLUNG

    Jahresüberblick auf derselben Basis

    Bruttoumsatz pro Jahr

    CHF 32'400

    Freier Ertrag pro Jahr

    CHF 20'460

    Dieselben Annahmen wie in der Monatsrechnung. Jahreswerte entsprechen Monatswerten multipliziert mit 12.

    2. Welche Kosten oft vergessen gehen

    In der Praxis werden häufig die kleinen Posten unterschätzt, obwohl sie den freien Ertrag stark verändern. Dazu zählen Reinigungsintervalle, Wäsche, Ersatz von Geschirr und Mobiliar, kleine Reparaturen, Versicherungen, Steuerung der Gäste, Kommunikation am Abend oder am Wochenende und der Zeitaufwand für Check-in und Koordination.

    Wer extern reinigen lässt oder ein Objekt hochwertig möbliert, sollte zudem Rückstellungen bilden. Kurzzeitvermietung verschiebt Kosten oft nach vorne: mehr Umsätze bedeuten nicht automatisch mehr freies Geld, wenn die laufenden Ausgaben mitziehen. Genau deshalb ist eine eigene, konservative Rechnung wichtiger als ein Blick auf die Bruttorate.

      3. Was Banken bei der Finanzierung sehen

      FINMA beschreibt die Tragbarkeit von Renditeliegenschaften als ableitbar aus dem Cashflow der Immobilie; vereinfacht ausgedrückt spielen Nettoeinnahmen, Nebenkosten, Finanzierung und Rückzahlung zusammen. Banken verwenden dafür nicht alle dieselbe Schwelle, und FINMA verweist auf unterschiedliche Kriterien sowie viele Ausnahmen in der Praxis.

      Für Kurzzeitvermietung heisst das: Eine Bank will in der Regel sehen, dass der Ertrag nicht nur möglich, sondern nachhaltig ist. Wenn die Nutzung stark von Saison, Plattformen oder eigener Präsenz abhängt, wird die Beurteilung anspruchsvoller als bei einer klassischen Langzeitvermietung. Das ist keine Absage an das Modell, aber ein Hinweis auf höhere Anforderungen an Nachweise und Annahmen.

        Quelle: FINMA, Annual Report 2018

        4. Regeln sind lokal, nicht schweizweit einheitlich

        Das BWO hält fest, dass Kurzzeitvermietung lokal zusätzliche Einkommen ermöglichen kann, gleichzeitig aber auch Wohnraumnot, Verkehr und Lärm verstärken kann. Es betont ausdrücklich, dass es keine Pauschallösung gibt. Kantone, Städte und Gemeinden sollen ihren eigenen Massnahmenmix wählen.

        Wichtig ist auch: Es gibt keine landesweit einheitliche 90-Tage-Regel. Das BWO nennt unterschiedliche lokale Regelungen, etwa in Bern, Luzern, Genf und Waadt. Wer Kurzzeitvermietung plant, muss deshalb die konkrete Gemeinde- und Kantonssituation vor dem Kauf prüfen und nicht mit einer allgemeinen Schweiz-Regel arbeiten.

          Quelle: BWO, « Kurzzeitvermietung und Buchungsplattformen »

          5. Praktische Reihenfolge vor dem Kauf

          Erst Nutzung prüfen, dann rechnen, dann finanzieren. Die Reihenfolge ist wichtig, weil eine schöne Hochrechnung wertlos ist, wenn die Nutzung am Standort eingeschränkt ist oder die Bank den Ertrag nicht als nachhaltig einstuft. Eine saubere Prüfung beginnt mit der zulässigen Nutzung, geht weiter mit einer eigenen Jahresrechnung und endet bei der Finanzierung.

          Mein Rat ist einfach: Setzen Sie den Übernachtungspreis nie mit Rendite gleich. Rechnen Sie mit realer Belegung, echten Kosten und einem Puffer für Leerlauf und Ersatzinvestitionen. Wer so vorgeht, erkennt früh, ob Kurzzeitvermietung eine robuste Form von Ertrag ist oder nur eine optimistische Rechnung mit zu vielen offenen Annahmen.

            Häufige Fragen

            Wo scheitert die Rechnung bei Kurzzeitvermietung am häufigsten?

            Am Verwechseln von Umsatz mit freiem Ertrag. Wer nur den Nachtpreis rechnet, unterschätzt Gebühren, Reinigung, Ersatzinvestitionen, Leerstände und eigenen Aufwand.

            Was sollte vor dem Kauf zuerst geklärt werden?

            Die zulässige Nutzung am Standort, die realistische Tragbarkeit und eine eigene Jahresrechnung mit konservativen Annahmen. Ohne diese drei Punkte bleibt die Kalkulation unvollständig.

            Quellen & weiterführende Informationen

            1. BWO, « Kurzzeitvermietung und Buchungsplattformen »
            2. FINMA, Annual Report 2018

            Allgemeine Orientierung. Beispiele und Annahmen ersetzen keine Prüfung Ihres Unternehmens oder individuelle Rechts-, Steuer- und Anlageberatung.

            Mit KI vorbereitet und vor Veröffentlichung redaktionell freigegeben.

            Joel Schmid
            Ihr GesprächspartnerJoel Schmid

            Joel Schmid verbindet Erfahrung im Banking mit der Perspektive eines Unternehmers und Immobilieninvestors. Sein Schwerpunkt: Unternehmensverkauf, Verhandlung und der nächste Kapitaleinsatz.

            JB SCHMID CONSULTING

            Was bedeuten diese Zahlen für Sie?

            Prüfen Sie zunächst Ihr Szenario. Für die Einordnung Ihrer Ziele und der nächsten Schritte steht Joel Schmid als persönlicher Gesprächspartner zur Verfügung.

            AKTUELLE BEITRÄGE

            Weiterdenken

            Gedanken, Zahlen und Perspektiven für Ihren nächsten Entscheid.

            Alle Beiträge im Archiv
            Neueste zuerstWischen oder weiterblättern
            Arbeitsplatz mit Blick auf eine Schweizer SeenlandschaftStandort SchweizNEU
            3 Min. Lesezeit

            Schweizer Markteintritt: Wie lange finanziert Ihre Reserve die Kundengewinnung?

            Die Schweizer Konsumentenstimmung gibt Kontext, aber keine Absatzprognose. Entscheidend ist, wie lange Ihre Reserve trägt.

            Artikel lesen
            Warenlager und das darin gebundene BetriebskapitalUnternehmen
            3 Min. Lesezeit

            Firmenverkauf: Wie viel Betriebskapital gehört zum Kaufpreis?

            Gewinn sagt wenig über den Kaufpreis: Beim Firmenverkauf zählen Betriebskapital, Zahlungsziele und die vereinbarte Übergabemechanik.

            Artikel lesen
            Grenzüberschreitende Warenströme und Schweizer StandortkostenStandort Schweiz
            3 Min. Lesezeit

            Euro-Umsatz, Franken-Kosten: Hält Ihr Schweizer Standort den Wechselkurstest aus?

            Der Beitrag misst die offene EUR/CHF-Position eines Schweizer Standorts und zeigt, was nach Verrechnung von Erlösen und Kosten offen bleibt.

            Artikel lesen
            Bestehende Liegenschaft und neue InvestitionsmöglichkeitenImmobilien
            3 Min. Lesezeit

            6 % Rendite auf damals: Was leistet Ihr Immobilienkapital heute?

            Historische Mietrendite, heutiger Verkaufswert und ein neues Projekt in derselben Rechnung vergleichen: Das hilft, alte Kaufpreise nicht mit heutiger Kapitalwirkung zu verwechseln.

            Artikel lesen
            Architekturmodell eines Mehrfamilienhauses als FinanzierungsgrundlageImmobilien
            3 Min. Lesezeit

            Finanzierung zuerst: Wie viel Eigenkapital bindet Ihre Liegenschaft?

            Warum der finanzierbare Betrag vor dem Zinsvergleich kommt. Zwei Grafiken zeigen Eigenkapitalbindung und Geldfluss bei unterschiedlicher Belehnung.

            Artikel lesen
            Unternehmenswert und industrielle SubstanzUnternehmen
            2 Min. Lesezeit

            Unternehmenswert berechnen: EBITDA verstehen, Annahmen prüfen

            Wie bereinigtes EBITDA und Multiplikator zusammenwirken. Mit Zahlenbeispiel, Einflussfaktoren und einem Rechner für Schweizer KMU-Inhaber.

            Artikel lesen
            Spätere Zahlungen und die Verbindung zwischen Käufer und VerkäuferUnternehmen
            2 Min. Lesezeit

            Earn-out und Verkäuferdarlehen: Gleicher Preis, anderes Risiko

            Sofortzahlung, bedingter Kaufpreis und Verkäuferdarlehen verständlich vergleichen. Mit Zahlungsbeispiel und Fragen für die Verhandlung.

            Artikel lesen
            Verkaufserlös und neuer HandlungsspielraumUnternehmen
            2 Min. Lesezeit

            Firmenwert und Verkaufserlös: Welches Kapital kommt tatsächlich an?

            Vom Enterprise Value über den Anteilspreis zum Kapital bei Abschluss. Eine nachvollziehbare Erlösbrücke für Unternehmer mit Verkaufsplänen.

            Artikel lesen
            1–3 / 8 ArtikelAlle Beiträge im Archiv